Deportáltakat Gondozó Országos Bizottság (DEGOB)

Der DEGOB (Nationaler Ausschuss für die Betreuung der Deportierten) befragte im Zeitraum 2. Dezember 1944 bis 13. April 1946 nach Ungarn zurückgekehrte deportierte Frauen und Männer. Fast 5.000 Aussagen von Überlebenden wurden protokolliert, darunter die von 25 ehemaligen Zwangsarbeiterinnen des Außenlagers Penig. 
Da diese Aussagen in zeitlicher Nähe zum Erlebten getroffen wurden und daher noch nicht von gelesenen, gesehenen oder gehörten Schicksalen anderer Deportierter beeinflusst sind, haben sie besonders hohen historischen Wert.
Die Frauen kämpften ums Überleben, hungerten und litten unter Misshandlungen und Krankheiten. Daher ist es selbstverständlich, dass manche Angaben, Zahlen und Orte nicht ganz den historischen Daten entsprechen können, da diese Frauen bestimmte Angaben auch nur schätzen konnten.
24 der 25 Aussagen wurden in ungarischer Sprache getroffen, eine in deutsch. Die 24 ungarisch-sprachigen Originale sind im Menü "ungarisch" zu sehen, die eine in deutscher Sprache hier.
Über den Link "Audio" erreicht man unseren Youtube-Kanal und kann man sich die Aussagen, von Frauen aus Penig und Umgebung eingelesen, auch anhören. 

Die Dokumente entstammen der DEGOB-Website http://degob.hu/index.php

Am 14. November 1944 brachten mich die Pfeilkreuzler aus dem Sternhaus in die Ziegelfabrik in Óbuda. Am 15. November wurden wir bereits weitertransportiert; die Richtung war Piliscsaba, Dorog. Wir bekamen nichts zu essen, und nirgends gab es einen Schlafplatz. In Sütő schliefen wir auf dem freien Marktplatz. In Szőny lagen wir im Stall zusammen mit Kühen und Pferden.
Am schrecklichsten war jedoch die Nacht, die wir in Gönyű auf der „Todesbrücke“ verbrachten: Kranke lagen zusammen mit den Leichen in Schmutz und Dunkelheit; vom glatten Deck des Schleppkahns fielen viele in die Donau. Bis zum Morgen hatte sich die Zahl der Toten verdoppelt. Hier erlebte ich den Horror des Horrors.
Überall lagen Leichen am Straßenrand. Oft sah ich, wie ein älterer Mensch zur Seite trat, weil er die Strapazen nicht mehr ertragen konnte – er brach zusammen und starb.
In Győr hatte ich das Gefühl, ich könne nicht mehr weiter, und ich floh. Ein anständiger Knecht, der wusste, dass ich nichts besaß, wollte mich verstecken – als wäre ich eine Verwandte seiner Frau. Doch ein Pfeilkreuzler zeigte mich an, und man brachte mich zur Polizei nach Győrszentiván. Dann kam ich wieder zu einem Transport. In Győr brachte man mich in eine Baracke, in der wir mit den schwersten ansteckenden Kranken zusammen eingesperrt waren. Typhus und Ruhr dezimierten die Barackeninsassen.
Dunaszeg war die nächste Station; wir wohnten dort in einem Schweinestall. Schließlich wurden wir bei Hegyeshalom in Waggons verladen. Wir hatten keine Habe mehr, weil wir bei der Flucht alles weggeworfen hatten. 114 Personen waren in einem Waggon. Unterwegs starb eine Frau; ihre Leiche nahm man erst zwei Tage später aus dem Waggon.
Wir kamen nach Ravensbrück, wo wir genau einen Monat verbrachten. Die Unterbringung war furchtbar, wir hungerten; unsere Leiden waren grenzenlos.
Mitte Januar kamen wir nach Penig. Penig war ein Arbeitslager; wir arbeiteten in einer Flugzeugteilefabrik. Das Lager lag 4 km von der Fabrik entfernt. Das war der Grund dafür, dass in diesem Lager die Sterblichkeit so hoch war: In unserer leichten Kleidung und ausgehungert konnte niemand diesen langen Weg ertragen. Die Verpflegung wäre vielleicht nicht einmal schlecht gewesen, aber weil das Lager nicht direkt bei der Fabrik war, konnte die Werksleitung die SS nicht kontrollieren – und so stahl die SS ständig unser Abendessen und die „Zulage“ (Zusatzration). Nur in den seltensten Fällen bekamen wir einen Teil der Zulage.
Wir hatten sehr viele Kranke, und wöchentlich starben 3-4, denn leider gab es überhaupt keine Medikamente. Am schwächsten war gerade die Altersgruppe der 19-20-Jährigen; die Älteren hielten die Strapazen und den Hunger besser aus.
Unsere Lage wurde auch dadurch erschwert, dass wir oft dreimal täglich Appell hatten. Am 13. April trieb die SS diejenigen, die noch gehen konnten, weiter. Etwa 70 Kranke und Schwache blieben im Lager zurück. Am 15. April nachmittags kamen die Amerikaner, und schon am 17. April waren wir in einem Sanatorium bei Altenburg. Die Amerikaner stellten alles in unseren Dienst; sie versorgten uns ausgezeichnet und behandelten uns wunderbar. 

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Vom 23. Oktober 1944 bis zum 1. Dezember 1944 arbeitete ich im Landesbekleidungsinstitut (Országos Ruházati Intézet) als Arbeiterin eines Rüstungsbetriebs, als Näherin. Eine Frau namens Basáné, die pfeilkreuzlerfreundlich war, stellte unsere Namensliste mit Freude zusammen und brachte sie; am 1. Dezember kamen dann die Pfeilkreuzler, um uns zur Deportation abzuholen.
Um 10 Uhr morgens kamen sie, und den ganzen Tag trieben sie uns zu Fuß voran. Zuerst brachten sie uns in den Szent-István-Park, dort konnten wir uns nicht einmal ausruhen, dann gingen wir weiter zum Teleki-Platz. Weitere Pfeilkreuzler kamen, sammelten eine Gruppe zusammen, stellten uns in Reihen auf und brachten uns sofort zum Bahnhof Józsefváros. Man verlud uns in Waggons und verschloss die Türen. Für die Fahrt erhielten 72 Menschen 12 Brote. Unterwegs litten wir schrecklich unter Wassermangel.
Acht Tage später kamen wir in Ravensbrück an. Dort brachte man ungefähr 4.000 von uns in ein großes Zelt. Wir ertrugen höllische Qualen, denn es gab kaum Platz, um überhaupt zu stehen. Nach zehn Tagen baute man in den Zelten die Lagerbaracken. In einem Zelt waren dann etwa 2.500 Menschen, und drei von uns lagen in einem Bett. Wir bekamen kein Wasser, ja wir durften nicht einmal hinausgehen, um unsere Notdurft zu verrichten. Möglichkeiten zur Körperpflege hatten wir überhaupt nicht. Schon dort begannen wir zu verlausten.
Zur Arbeit mussten wir ebenfalls gehen: In der größten Kälte schaufelten wir Sand, nur in einem Sommerkleid, während sie uns antrieben, schlugen und prügelten. Man nahm uns alles weg: unsere Kleidung, unsere Papiere. Man schnitt uns die Haare ab.
Am 9. Januar wählte man uns für Arbeit aus und brachte uns nach Penig. Den Weg dorthin legten wir in Güterwagen zurück; es dauerte 3½ Tage. Auf der Fahrt bekamen wir weder Essen noch Trinken. Es war sehr kalt, und sehr vielen Frauen erfroren die Füße. In Penig brachte man uns in einem Lager unter, das 4 km von der Fabrik entfernt lag. Wir arbeiteten als Arbeiterinnen in einer Munitionsfabrik. Zu unserem Arbeitsplatz gingen wir täglich 8 km zu Fuß.
Unsere tägliche Verpflegung war praktisch gleich null: Wir bekamen 12 Deka Brot (ca. 120 g) und ½ Liter Suppe. Es gab auch Tage, an denen wir überhaupt kein Brot bekamen. Die SS-Leute benahmen sich grob mit uns: Sie schlugen und prügelten uns. Denjenigen, die versuchten, beim Essen ein zweites Mal zu verlangen, schlugen sie mit dem Essnapf auf den Kopf.
Am 13. April hörten die SS, dass die Amerikaner kommen. Da musste jeder innerhalb von fünf Minuten zum Packen fertig sein. Sie führten den Transport weg, aber 80 von uns blieben krank zurück. Ich lag mit Ischias. Sie sagten, es würde noch ein Wagen für uns kommen. Wir wussten damals schon, dass die Amerikaner kommen, und wir versteckten uns. Der Wagen kam zum Glück nicht – aber die Amerikaner kamen am Sonntag, den 15. April, am Nachmittag zu uns. Sie entdeckten unser Lager und brachten uns säckeweise Konserven und Schokolade.
Zwei Tage später kamen Rotkreuz-Autos und Ärzte zu uns. Das waren alles Amerikaner, darunter viele Juden ungarischer Herkunft. Man brachte uns in ein Sanatorium in Altenburg, zu einer „Aufpäppelkur“. Dort nahm ich in drei Monaten 20 Kilo zu.

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Am 1. Dezember 1944 wurde ich aus dem Sotex-Rüstungsbetrieb in der Sütő-Straße weggebracht, der unter dem Schutz des Internationalen Roten Kreuzes stand. Zuerst trieb man uns in die Ziegelfabrik, am nächsten Tag brachte man uns zum Bahnhof Józsefváros, wo man uns in Waggons verlud, und nachts um 11 Uhr fuhren wir ab.
Acht Tage später kamen wir in Zurndorf an; dort übergab man uns den Deutschen. Diese transportierten uns in deutschen Pullman-Wagen nach Ravensbrück. Wir blieben dort einen Monat.
Jeden Tag gingen wir zur Arbeit: Wir schaufelten Sand oder luden Kohle. Ich halte es für wahrscheinlich, dass man uns Brom ins Essen gab, denn alle waren schwindlig. Man schlug und prügelte uns. Unser Haar wurde abgeschnitten. Ich glaube, dass das abgeschnittene Haar gesammelt wurde, um daraus Stoff herzustellen.
In Penig arbeiteten wir in einer Flugzeugteilefabrik. Das bedeutete täglich 8 km zu Fuß bergauf. Die Arbeit war schwer; man trieb uns an und misshandelte uns. Das Essen war entsetzlich. Wenn jemand wagte, um Essen zu bitten, wurde er geschlagen. Mir schlug eine SS-Frau mit dem Essnapf den Kopf ein, weil ich um Essen bat.
Wir hatten sehr viele Tote; die meisten starben an Typhus und an völliger Entkräftung infolge des grausamen Hungers.
Am 13. April flohen die SS-Leute und nahmen viele Frauen mit. Ich blieb dort, weil ich am Vortag eine Thrombose im Bein bekommen hatte. Zwei Tage später befreiten uns die Amerikaner.
Wir waren 70 Kranke, und man brachte uns in Rotkreuz-Autos nach Altenburg ins Krankenhaus. George Friedmann, ein amerikanisch-jüdischer Leutnant, war der Krankenhauskommandant; er brachte für uns und für unsere Genesung übermenschliche Opfer.

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Am 1. November 1944 rückte ich aufgrund einer Einberufung nach Börgöndpuszta ein. Dort ging es uns nicht schlecht, weil wir dem Zuständigkeitsbereich der Wehrmacht unterstanden. Unsere Arbeit bestand aus Schanzarbeiten; das war zwar schwer, aber erträglich. Auch die Verpflegung war ausreichend. Zum Frühstück bekamen wir schwarzen Kaffee, zweimal täglich Suppe und genügend Brot.
Ich verbrachte drei Wochen dort; danach wurde ich mit einem Schutzpass entlassen und zog in das geschützte Haus in der Pozsonyi út 56 ein. Am 28. November brachten uns die Pfeilkreuzler und die Polizei aus dem geschützten Haus zum Teleki-Platz 10. Von dort kamen wir zwei Tage später in die Ziegelfabrik in Óbuda. Dort verbrachten wir eine entsetzliche Woche.
Dann wurden wir am Bahnhof Józsefváros in Waggons verladen und nach Ravensbrück gebracht. Dort blieben wir vier Wochen. Gleich nach der Ankunft mussten wir uns ausziehen, und man nahm uns alles weg. Zehntausend Menschen lebten in einem Zelt. Wir froren sehr, weil das Zelt nur mit einer Plane umgeben war. Die Verpflegung war schlecht und wenig. Wir schliefen auf dem Boden; nicht einmal zum Hinsetzen hatten wir Platz.
Am 8. Januar kam ich mit einem Arbeitstransport nach Penig. Wir arbeiteten in einer Fabrik, die Flugzeugflügel herstellte. Zu unserem Arbeitsplatz gingen wir täglich 8 km zu Fuß. Trotzdem war es dort schon etwas leichter. Wir bekamen zweimal täglich dünne Suppe, 20 dkg Brot und 1 dkg Margarine. Wir verrichteten schwere körperliche Arbeit und hungerten wegen der schlechten Verpflegung sehr. Es kam oft vor, dass wir Gras aßen. Vor allem unter den jungen Leuten starben hier sehr viele.
Die SS-Leute misshandelten uns ständig. Besonders ein Unteroffizier namens Adolf quälte uns unmenschlich. Es kam auch vor, dass man uns sogar die ohnehin geringe Suppe entzog.
Nach vielen Leiden wurde das Lager schließlich am 29. März geräumt. Ich konnte zwei Tage später unterwegs zusammen mit zwei Kameradinnen fliehen. Drei Tage lang versteckten wir uns im Wald und lebten von Futterrüben, bis uns schließlich die amerikanischen Truppen befreiten. Danach ging es uns sehr gut, weil wir alles bekamen, was wir uns nur wünschen konnten. 

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Ich lebte in Budapest, wo mein Mann eine gut gehende Arztpraxis hatte. Meinen Mann brachte man im September 1944 zu Schanzarbeiten, und ich zog in ein schweizerisches Schutzhaus, um mich vor der Deportation zu schützen. Am 1. Dezember 1944 besetzten die Pfeilkreuzler das Haus, brachten uns in das Haus Teleki -Platz 5, plünderten uns dort aus und ließen uns nur das Allernotwendigste. Danach brachten sie uns direkt zum Bahnhof Józsefváros, wo man uns in Waggons verlud.
Wir fuhren 9 Tage, und in dieser Zeit bekamen wir ein einziges Mal ein wenig warmes Essen. Ich hatte ein paar Walnüsse und etwas Zucker bei mir, davon ernährte ich mich. Nach neun Tagen beschwerlicher Fahrt kamen wir spät in der Nacht in Ravensbrück an.
Wir wohnten oben am Berg in Zelten. Man nahm uns alles weg, wir blieben nur in einem einzigen Kleidungsstück. Gegen halb drei Uhr morgens war Wecken, danach standen wir Appell, dann gingen wir hinaus in die Berge, um Sand zu schaufeln. Die SS-Wachmannschaft war sehr schlecht: Sie trieben und schlugen uns bei der Arbeit. In den ersten 12 Tagen lagen wir auf nackten Ziegeln; es war kalt, die Zelte waren nur mit Planen abgedeckt, und als eine deutsche Kommission kam, brachte man Betten. 2.200 von uns drängten sich auf engem Raum.
Meine Füße erfroren. Wir hatten eine Aufseherin namens Vanda; als ich ihr zeigte, dass ich mit solchen Füßen nicht zur Arbeit hinausgehen könne, ohrfeigte sie mich heftig. Sie war immer darauf aus, dass möglichst viele von uns zugrunde gehen, und sie erwähnte ständig vor uns das Krematorium. Ich war sehr geschwächt, hatte auf 35 kg abgenommen, sah, dass täglich Menschen starben, und spürte, dass auch ich es nicht lange aushalten würde.
Eines Tages brachte man mich ins Bad, und danach gab es eine ärztliche Untersuchung. Der SS-Arzt erfuhr, dass ich die Frau eines Arztes bin; er hatte großes Mitleid, mich in diesem Zustand zu sehen, und fragte, ob ich in eine Fabrik gehen wolle. Natürlich sagte ich ja, weil ich nicht krank dort zurückbleiben wollte. So teilte man mich eines Tages einem Arbeitstransport zu und brachte uns zu Fuß weiter nach Penig.
In Penig war unsere Lage schon etwas besser. Auch dort sauste oft der Gummiknüppel, aber es gab Waschmöglichkeiten, man durfte aus den Blocks heraus, sodass wir eher das Gefühl hatten, noch Menschen zu sein. Am vorherigen Ort konnten wir uns nicht waschen; wir waren dort stark verlaust. Wir gingen in einer Flugzeugfabrik arbeiten; vom Lager bis zur Arbeitsstelle waren es 4 km. Wir gingen diese Strecke täglich zu Fuß, und 18 unserer Kameradinnen starben so, dass sie den Weg mit ihren schmerzenden Füßen nicht mehr schafften und die SS sie erschoss.
Am 16. April 1945 wurde das Lager evakuiert, weil die Amerikaner näherkamen. Man trieb uns zu Fuß weiter; die Wachleute blieben einer nach dem anderen zurück, sodass wir, als wir nach Chemnitz kamen, merkten, dass wir allein waren. Ein bis zwei Tage hielten wir uns in Scheunen versteckt; einmal gab es einen Bombenangriff, und eine Kameradin starb durch den Luftdruck. Die Amerikaner befreiten uns. Wir blieben noch fünf Wochen dort, und als sich unser Gesundheitszustand etwas erholt hatte, machten wir uns auf den Heimweg.
Meinen Mann und meinen Sohn fand ich zu Hause nicht. Meine Wohnung fand ich völlig geplündert vor, und hier stehe ich – die einst überaus wohlhabende Arztfrau – völlig arm, verlassen, ohne einen Pfennig. Bei der DEGOB erhielt ich das Versprechen, dass man mich unterbringen und versuchen werde, mein Schicksal zu erleichtern. 

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Ich zog zusammen mit meinen Eltern in ein Schweizer Haus. Dort konnten wir nur kurze Zeit wohnen, als man meinen Bruder und mich zum Bahnhof brachte und einwaggonierte. Natürlich nahmen wir nur sehr wenig mit; wir hätten auch gar nicht viel tragen können. Auf der Fahrt, die eine Woche dauerte, gab man uns keine Nahrung; bei Hegyeshalom bekamen wir ein wenig Brot und 2 dkg Margarine.
Als wir in Ravensbrück ankamen, nahm uns die SS alles weg. Sogar unsere Kleidung mussten wir abgeben, und wir bekamen stattdessen verlauste Sachen. Wir wohnten zehn bis zwölf Tage in Zelten, dort lagen wir auf dem Boden. Von dort verlegte man uns in solche Zellen/Unterkünfte, in denen es bereits Pritschen gab.
Wir begannen zu arbeiten; in der Nähe war eine Sandgrube. Wir luden den Sand auf Loren und schoben sie weg. Täglich bekamen wir Kaffee, drei Deziliter Suppe, 30 dkg Brot und eine „Zulage“. Das war entweder ein bis zwei Dekagramm Margarine oder Wurst.
Die Aufseherinnen waren sehr schlimm und grausam; Appell stehen und alles, was damit zusammenhing, löste jedes Mal eine besondere Angst aus. In der Kälte mussten wir – zusätzlich zur schweren Arbeit – stundenlang draußen stehen.
Nach einiger Zeit gab es eine Auswahl für einen Transport. Man gab uns kurze Mäntelchen; einige waren wärmer, andere dünner – jeder bekam, was gerade übrig war. Die Hosen nahm man uns jedoch weg. So kamen wir nach Penig.
Dort arbeiteten wir in einer Fabrik, in drei Schichten, abwechselnd. Wir mussten acht Kilometer zu Fuß zur Arbeitsstelle gehen und dort noch draußen warten, bis die vor uns Arbeitenden herauskamen, denn erst dann durften wir hinein. Oft standen wir bei 20 Grad Kälte in einem einzigen Kleidungsstück lange Zeit und warteten.
Am Anfang bekamen die Kranken noch Schonung und mussten nicht zur Arbeit gehen. Ich zog mir durch das viele Frieren eine Lungenentzündung zu. Ich lag im Block; eine ärztliche Behandlung gab es nicht. Meine Ernährung bestand aus zwei Deziliter „Schwarzem“, Suppe und zehn Dekagramm Brot.
Als die Amerikaner schon sehr nahe waren, floh die SS mit den Gesunden. Uns drohten sie mit Salvenfeuer, aber sie taten es nicht. Sie ließen uns jedoch ohne einen Bissen Essen zurück. Zum Glück dauerte dieser Zustand nicht lange, denn kurz darauf befreiten uns die Amerikaner.
Wir gingen ins Krankenhaus von Altenburg; dort war alles vorhanden, was zu unserer Genesung nötig war, und so waren wir wieder gesund, als man uns auf den Weg nach Hause schickte. 

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Wirtschaftlich haben mich die Judengesetze nicht betroffen, weil ich als Schneiderin bis zum letzten Tag gearbeitet habe. Ich habe mich selbst erhalten, da mein Mann in der letzten Zeit ständig Arbeitsdienst leisten musste.
Als die Deutschen nach Ungarn kamen, war ich gezwungen, den gelben Stern zu tragen und in einem Sternhaus zu wohnen, wo die Möglichkeiten, hinauszugehen, stark eingeschränkt waren. Abgesehen davon gab es viele weitere Entbehrungen – sowohl bei Lebensmitteln als auch dadurch, dass es z. B. verboten war, öffentliche Orte zu besuchen; es war verboten, ein Haus zu betreten, das nicht mit einem gelben Stern gekennzeichnet war; in der Straßenbahn durfte man nur im Beiwagen fahren – und hunderte ähnliche Dinge. Die Szálasi-Regierung setzte dem dann die Krone auf, indem sie einfach die Tore aller Sternhäuser zusperrte. Da besorgte ich mir Schweizer Schutz und zog in ein geschütztes Haus. Von dort brachten mich die Pfeilkreuzler auf den Teleki-Platz; dort verbrachten wir eine Nacht. Die nächsten Stationen waren der Tattersall und die Ziegelfabrik in Óbuda. Von den Pfeilkreuzlern, die uns begleiteten, erlitten wir ständig Grobheit und Brutalität. Inzwischen verging eine Woche, in der wir kein einziges Mal etwas zu essen bekamen – nur ein einziges Mal eine warme Suppe, die uns das Rote Kreuz nachschickte.
Am 2. Dezember wurden wir auf dem Bahnhof Józsefváros einwaggoniert – nur Frauen zwischen 16 und 40 Jahren. Die übrigen warf man ins Ghetto zurück. Bis Hegyeshalom bzw. Zurndorf öffneten sie die Waggontür nicht; dort übernahmen uns die Deutschen von den Ungarn. Unterwegs gab es mehrere fiebrige Erkrankungen, aber natürlich konnten wir nicht helfen.
Am 10. Dezember kamen wir in Ravensbrück an; dort begann unsere Gefangenschaft – ich fühlte mich als Gefangene. SS-Soldaten kamen heraus, auch Polizeiangehörige, außerdem Frauen; sie schlugen und prügelten uns. Dort erfuhren wir, was es heißt, „Häftling“ zu sein – und dass auch wir Häftlinge waren. Mit diesem Transport kamen wir zu 2000 an. Man trieb uns in ein Zelt, in dem nur nackter Ziegelboden war, sonst keinerlei Möglichkeit zu liegen. Wir verbrachten dort Tage – wie viele, weiß ich nicht genau, denn ich war völlig benommen; Tag und Nacht gingen ineinander über. Man erklärte uns, es gebe keine Baracken, und bis man Platz schaffen könne, müssten wir im Zelt wohnen. Die Decken breiteten wir auf dem Boden aus – man solle sie nicht bedauern, denn „sie nehmen uns sowieso alles weg“. Platz zum Hinlegen gab es kaum; höchstens saßen oder standen wir.
Nach ein paar Tagen wurden wir gebadet; man nahm uns all unsere Sachen weg, Rucksack, Kleidung usw., und nach dem Bad gaben sie uns völlig unmögliche, abgetragene Kleidung. Ich hatte Glück, denn ich bekam einen Mantel, die anderen hatten überhaupt keinen Übermantel – und so verbrachten wir den Winter.
Unsere Verpflegung war: morgens schwarzer Kaffee, mittags Rübensuppe ohne jeden Geschmack, die man praktisch nicht essen konnte, und 25 Dekagramm (250 g) Brot. Jeden Morgen trieben sie ein paar hundert Menschen zur Arbeit hinaus, die völlig sinnlos war: Wir mussten am Hang Sand schaufeln, was sehr schwer war – besonders, weil inzwischen Winter geworden war und wir kleidungsmäßig überhaupt nicht darauf vorbereitet waren. Sie behandelten uns sehr schlecht, schlugen und prügelten uns ständig; es gab nicht eine Minute Ruhe. Waschen konnten wir uns nicht; vor dem WC musste man Schlange stehen – kurz: es herrschten entsetzliche Zustände.
Nach einem Monat, am 10. Januar, stellten sie einen Transport zusammen, und ich kam ebenfalls hinein. Man brachte uns nach Penig. Dort wurden wir in einer Baracke untergebracht, und ein Ereignis war besonders erwähnenswert: Man gab uns sogar eine Decke. Wir arbeiteten in der Junkers-Flugzeugfabrik und stellten Flugzeugteile her. Die Arbeitszeit betrug täglich 8 Stunden. Das Essen in der Fabrik war schmackhaft, aber sehr wenig. Die Fabrik war etwa 3-4 km vom Lager entfernt; den Weg gingen wir zu Fuß. Wir waren ständig hungrig; alle nahmen furchtbar ab, ohne Ausnahme. Am Ende konnten wir uns kaum noch auf den Beinen halten.
Unter diesen Umständen verbrachten wir dort drei Monate. Am 13. April brachen wir unter Begleitung von SS-Soldaten und Aufseherinnen mit unbekanntem Ziel auf. In den ersten Tagen marschierten wir täglich 20-30 km zu Fuß. Am dritten Tag wurden wir in Waggons verladen und fuhren drei Tage lang in Waggons. In dieser Zeit bekamen wir überhaupt nichts zu essen. Brot hatten wir seit vielen Tagen nicht mehr gesehen, nicht gegessen. Einmal bekamen wir ein paar gekochte Kartoffeln. Wir fuhren im Waggon bis Dachau. Von dort marschierten wir wieder zu Fuß zu einem angeblichen Lager, das man aber nicht fand. Wir schliefen im Wald, und einmal gelang mir mit zwei anderen zusammen die Flucht.
Wir gingen von Dorf zu Dorf und besorgten uns in den Häusern Lebensmittel. Man ließ uns nicht gern hinein, aber dennoch verbrachten wir hier und da eine Nacht in Ställen oder auf Dachböden. Meistens aber waren wir draußen, in Heuschobern, und schliefen in einem Kiefernwald. Zweimal wurden wir von SS-Soldaten aufgegriffen, die einen anderen Transport begleiteten, doch auch von ihnen entkamen wir. Nach einer Woche gelangten wir zu einem Bauern, der uns versteckte; bei ihm verbrachten wir die Zeit auf dem Dachboden, bis am 4. Mai die Amerikaner in den Ort Gottschau kamen und uns befreiten. Wir blieben noch im Bauernhaus; dann kam eine meiner Gefährtinnen ins Krankenhaus, und ich kehrte mit der anderen Gefährtin nach Hause zurück. 

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Als alle jüdischen Frauen im Alter von 16 bis 40 Jahren auf den Kisok-Sportplatz antreten mussten, hätte ich eigentlich nicht hinausgehen müssen, weil mein Mann im Arbeitsdienst war und die Ehefrauen der Arbeitsdienstleistenden befreit waren. Unser Hauswart zwang mich jedoch, ebenfalls hinauszugehen; er sagte, dort werde man entscheiden, ob ich gehen müsse oder nicht. Dort fragte man aber überhaupt nichts, sondern teilte mich einem Transport zu, und wir mussten sofort zu Fuß nach Ferihegy marschieren. Um Mitternacht kamen wir dort an. Von dort brachte man uns zum Schanzgraben-Ausheben nach Gyömrő, wir waren 6 Tage dort.
Danach schleppte man uns noch drei Wochen lang kreuz und quer durchs Land; schließlich gelangten wir auf die Straße nach Wien und marschierten bis Zurndorf. Wir schliefen ständig unter freiem Himmel, im Regen und im Schlamm. Waschen war nur selten möglich, zu essen gaben sie kaum. Völlig heruntergekommen und erschöpft kamen wir in Zurndorf an. Dort übernahmen uns die Deutschen, setzten uns in einen Zug, gaben uns warme Suppe und transportierten uns anschließend direkt nach Ravensbrück.
Ravensbrück war ein riesiges Lager; dort waren Häftlinge vieler Nationalitäten. Wir schaufelten in einer Sandgrube täglich 10 Stunden. Unser Essen war ein dünnes Gemüsegericht, ohne Fett, dafür mit Sand, Kieselsteinen und Gras. Schon bei der Ankunft nahm man uns alles ab, und anstelle unserer warmen Kleidung gab man uns Sommerkleider und Holzschuhe. Bald waren alle völlig entkräftet. Es gab viel Ruhr. Es gab dort auch ein Krankenhaus, aber von dort kam keine Kranke wieder heraus. Mit einem Arbeitstransport schickte man uns nach Penig.
Wir reisten dreieinhalb Tage ohne Essen. Penig war ein kleines Lager; etwa 700 von uns wohnten in Holzbaracken, 4 km von der Stadt entfernt. Ich war schon so schwach, dass ich nicht arbeiten wollte, aber ein SS-Mann sagte: „Arbeite, oder du stirbst!“ Wir arbeiteten in einer Flugzeugteilefabrik, täglich 8 Stunden. Die ganze Zeit musste man an der Maschine stehen, und nach der Arbeit kamen noch 4 km Fußmarsch hinzu – und morgens wieder ebenso viel.
Die Behandlung war grausam: SS-Frauen und SS-Männer begleiteten uns auf dem Weg und schlugen uns unterwegs mit dicken Peitschen. Sehr viele verhungerten. Da waren wir schon so schwach, dass wir von einem einzigen Schlag umfielen. Man schlug uns sogar, wenn wir uns die Hände wuschen. Die russischen Männer gaben uns manchmal heimlich ein wenig zu essen, denn die übrigen Gefangenen bekamen mehr als die Juden.
Als man das Lager räumte, versteckten sich eine Freundin und ich. Als die Deutschen weg waren, kamen wir heraus, und dann stellte sich heraus, dass 70 von uns dortgeblieben waren. Zwei Tage lang waren wir im Lager ohne Essen und Trinken; wir aßen Gras und Blätter. Als die Amerikaner hereinkamen, wog ich 28 kg. Die Amerikaner weinten, als sie uns sahen. Man brachte uns in ein Offiziers-Erholungsheim und versorgte uns dort mit allem Guten, damit wir wieder ein wenig zu Kräften kamen. 

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Ich arbeitete im Rüstungsbetrieb der Ungarischen Stahlwarenfabrik. Von dort brachte man mich am 1. Dezember 1944 in die Ziegelei, und am 2. Dezember verlud man uns am Bahnhof Józsefváros in Güterwaggons. Am 9. Dezember kamen wir in Ravensbrück an. Wir hatten noch etwas zu essen, das wir mitgenommen hatten. In Zurndorf gaben die Deutschen uns warmes Essen und setzten uns in Personenwagen um. Unterwegs hätte ich Gelegenheit gehabt zu fliehen, aber meine Mutter hatte man bereits zwei Wochen früher weggebracht, und ich glaubte immer, dass ich sie wiedersehen würde – deshalb blieb ich.
In Ravensbrück brachte man uns – etwa 2400 Menschen – in ein Zelt; man nahm uns unsere Kleidung weg und gab uns andere Kleidung. Wir schliefen auf der Erde. Wir gingen zur Arbeit hinaus, schaufelten Sand und schoben Loren. Unsere Bewacher waren SS-Leute sowie polnische und tschechische politische Häftlinge. Zu essen bekamen wir genug, aber es war ungenießbar schlecht. Damals konnten wir die Arbeit noch aushalten, weil wir in guter Verfassung von zu Hause aufgebrochen waren und noch nicht völlig entkräftet waren. Einen Monat verbrachten wir dort.
Im Januar kamen wir nach Penig, 56 km von Leipzig entfernt. Wir arbeiteten in einer Flugzeugfabrik, die 4 km vom Lager entfernt war; wir mussten also täglich 8 km zu Fuß zurücklegen. Das war furchtbar: Wir mussten in Fünferreihen, militärisch marschierend, gehen – ständig unter SS-Begleitung. Das Essen war gut, aber sehr wenig. Wir wurden sehr oft geschlagen, ohne jeden Anlass, nur aus Vergnügen der SS. Viele waren betrunken, und dann schlugen sie uns immer. Die Arbeit war nicht allzu schwer – zumindest für mich nicht –, weil ich einen guten Arbeitsmeister hatte. Bis zum 13. April waren wir dort. Am 11. kamen noch 150 Polen, am 13. setzte man die jüdischen Frauen zu Fuß in Marsch.
In der ersten Nacht blieben 500 in Chemnitz zurück; in jeder Nacht blieben einzelne Gruppen zurück. Nach etwa einer Woche Marsch setzte man uns in Waggons. In einem Waggon waren 90 Menschen. Neben mir starb eine frühere Klassenkameradin, Zsuzsa Fischer. Eine Mutter, Ilona Schenk, gebar – bzw. hatte eine Fehlgeburt. Das Kind starb natürlich. Es lag bei uns im Blut eineinhalb Tage, bis eine SS-Frau kam, die kleine Kinderleiche packte und aus dem Waggon hinauswarf. Auch die Toten warf man so hinaus.
Ein Kalb war ebenfalls mit uns im Waggon; es wurde unterwegs wild. Der Hauptgrund dafür war, dass es eine Lieblingsunterhaltung der SS war, fünf bis sechs Kartoffeln in den Waggon zu werfen – wir sprangen dann alle auf, und es entstand ein großes Durcheinander, damit wenigstens jemand eine Kartoffel erwischen konnte. Auf das Kalb passte ein schwäbischer SS-Mann auf. Er war kein schlechter Mensch: Das Gras, das man für das Kalb brachte, gab er manchmal uns – anderes Essen hatten wir nicht.
An einem kleinen Bahnhof bedauerte uns ein Tscheche so sehr, dass er ein Fass Kartoffeln und ein Fass Hirsebrei brachte, und man gab es uns hinein.
So fuhren wir bis Tachau (heute Tachov, Tschechien). Dort hielten wir nicht einmal an, sondern gingen zu Fuß weiter, 30-35 km. In der Nacht flohen zehn von uns. Wir versteckten uns in einem Wald, aber am nächsten Tag fasste uns ein schwäbischer Soldat. Wir flehten ihn sehr an, uns laufen zu lassen; er hatte Mitleid und ließ uns gehen.
Als angeblich christliche ungarische Flüchtlinge baten wir um Aufnahme in einem Krankenhaus. Dort ging es uns gut; wir arbeiteten in der Küche. In der letzten Woche fasste man in der Stadt drei ungarische Juden. Man ließ sie ihr Grab ausheben und erschoss sie. Wir hatten entsetzliche Angst, dass man herausfinden könnte, dass auch wir Juden sind.
Am 5. Mai, vormittags um 10:45 Uhr, kamen die Amerikaner hinein und befreiten uns. 

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Edith Himmler: Bis zum 1. Juni 1944 durfte ich mit Sondergenehmigung arbeiten. Dann verlor ich meine Stelle wegen der jüdischen Gesetze. Danach arbeitete ich bis zum 1. Dezember als Arbeiterin im Sotes-Rüstungsbetrieb, bis ich deportiert wurde.
Vera Váradi: Mein Ehemann war bereits seit drei Jahren als Zwangsarbeiter in Russland. Mein Vater war seit einem Jahr in Deutschland interniert, mein Bruder und ich wurden am 1. Dezember zusammen deportiert. Unser 75 Hektar großes Familiengut wurde uns im Frühjahr 1943 im Zuge der Enteignungen jüdischen Besitzes genommen. Auch ich arbeitete in einem Sotes-Rüstungsbetrieb.
Anna Kaufmann: Als Näherin war ich von den jüdischen Gesetzen nicht unmittelbar betroffen, ich konnte bis zum Ende weiterarbeiten. Am 23. Oktober wurde ich aufgefordert, mich am Kisok-Sportplatz zu melden, konnte jedoch fliehen. Ich versteckte mich in Budapest. Als ich kurz vor der Deportation noch einmal nach Hause ging, wurde ich verhaftet. Ich besaß einen Schweizer Schutzpass und glaubte mich in Sicherheit – in dieser Gewissheit ging ich heim, um meine Sachen zu holen. Das gesamte Haus wurde geräumt, und ich wurde in die Katona-József-Straße gebracht, dann in die Ziegelei. Von dort marschierten wir zu Fuß nach Hegyeshalom, am 1. Dezember wurden wir verladen. Während des Transports erhielten wir kein Essen.
Edith Himmler weiter: Der Rüstungsbetrieb stand unter dem Schutz des Internationalen Roten Kreuzes – wir fühlten uns sicher. Als der Betrieb dann offiziell zum Rüstungsbetrieb erklärt wurde, wurden wir nach Deutschland deportiert. Am Bahnhof Józsefváros wurden wir in Waggons verladen – 70 Personen pro Waggon – und bekamen während der ganzen Zeit nur zweimal Essen. Wir kamen bis Zurndorf, wurden in Personenzüge umgeladen und erreichten noch am selben Abend Ravensbrück.
Dort kamen wir in Zelte. Die Bedingungen waren grauenvoll: kein Wasser, keine Waschmöglichkeiten, keine Toiletten. Einmal wurden wir gebadet, unsere Kleidung wurde weggenommen und wir erhielten schmutzige, lächerliche Kleidungsstücke – wir erkannten uns gegenseitig nicht mehr. Unser Leben dort war furchtbar. Zu essen bekamen wir nur ungewürzte Suppe aus Runkelrüben, voller Sand. Viele litten an Durchfall und wir nahmen rapide ab – auf 40 kg. Nach eineinhalb Tagen harter Arbeit in der Kälte versteckten wir uns und arbeiteten nicht mehr. Es gab viele Todesfälle.
Am 9. Januar wurden wir erneut gebadet, man nahm uns wieder alles weg, und von 1:15 Uhr bis 6 Uhr morgens mussten wir nackt im Freien stehen. Danach bekamen wir Kleidung und wurden verladen. Nach vier Tagen Reise kamen wir in Penig an. Für diese vier Tage bekamen wir ¼ kg Brot und 10 dkg Margarine – kein Wasser. Wir aßen Schnee.
In Penig bekamen wir eine Schüssel Suppe und wurden am nächsten Tag in ein 3,5 km entferntes Lager gebracht. Wir kamen in Baracken, die noch im Bau waren. Am nächsten Tag begann die Arbeit. Wir arbeiteten unter SS-Aufsicht im Junkers-Flugzeugwerk, wurden geschlagen, geohrfeigt, geprügelt. Wir arbeiteten täglich 12 Stunden in Tag- und Nachtschichten.
Das Essen war schmackhaft, aber viel zu wenig – wir hungerten ständig. Durch die harte körperliche Arbeit waren wir völlig ausgezehrt. Viele starben, weil es keine Hilfe gab.
Am 13. April wurden wir evakuiert. Alle drei von uns flohen. Wir schliefen auf Friedhöfen, versteckten uns bei Bauern. Am 15. April kamen die Amerikaner und befreiten uns in Röhrsdorf. Wir blieben noch eine Woche dort, dann brachten uns die Amerikaner mit einem Lastwagen ins Lager Gera-Linz. Nach der Befreiung ging es uns sehr gut. 

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Aus Budapest, aus einem sogenannten „Schutzhaus“, holten mich die Pfeilkreuzler am 25. November ab. Am Józsefváros-Bahnhof verlud man uns in Waggons und brachte uns über die Grenze. Bei Zurndorf übernahmen uns die Deutschen. Dort gaben sie uns etwas zu essen und setzten uns dann in Personenwagen um. Ich hatte Lebensmittel im Rucksack bei mir. Man brachte uns direkt nach Ravensbrück.
Dort waren viele ungarische jüdische Frauen sowie politische Häftlinge anderer Nationalitäten und auch Mörder, darunter Männer. Einen Monat lang gab man uns Brom, und wir waren völlig benommen. Bei der Ankunft nahm man uns alles weg, sogar unsere Kleidung, und zog uns Sommerkleider an. Wenn jemand besonders gute Schuhe hatte, nahm man auch die weg. Wir wohnten in Baracken; SS-Frauen bewachten uns.
Drei Wochen lang waren wir in Quarantäne, weil jede von uns Durchfall hatte. Während dieser Zeit bekamen wir überhaupt kein Wasser. Wir durften nicht einmal zur Toilette hinausgehen, sondern im Barackenraum stand dafür ein Eimer.
Von dort kam ich nach Penig (Sachsen). Wir lebten in einem Barackenlager und arbeiteten in der Flugzeugteilefabrik Max Gehrt-Werke. Wir arbeiteten täglich 12 Stunden, im Stehen. Das war sehr erschöpfend. Unter den deutschen Meistern waren Kommunisten, die uns gegenüber wohlwollend waren. Wenn es möglich war, ließen wir die Maschine „kaputtgehen“ und verschwendeten Material. Es gab sogar einen deutschen Meister, der uns ermutigte, möglichst viel zu verderben. Er gab mir dafür sogar Brot.
Im Übrigen bekamen wir sehr wenig zu essen. Es kam vor, dass wir einen ganzen Tag lang gar nichts erhielten. Schläge waren umso häufiger. Besonders aufregend war stets die Essensausgabe. Dann gab es immer ein großes Gedränge, Schlägereien wegen Nachschlag; am Ende schlug man dann alle. Es kam auch vor, dass man das Essen vor unseren Augen ausgoss, wenn wir vor Hunger schon kaum mehr sehen konnten.
Nach drei Wochen Fabrikarbeit kam ich in die Küche und blieb dann bis zum Ende dort. Dort war die Lage ganz anders: Ich konnte satt werden und sogar anderen ein wenig Brot oder Kartoffeln zukommen lassen.
Am 13. April räumte man das gesamte Lager, weil die Amerikaner schon sehr nahe waren. Wir marschierten eine ganze Nacht. Man trieb uns vor sich her, und dieser Marsch war entsetzlich. Zwischendurch wurde auch bombardiert. Auf einmal bemerkte ich, dass immer weniger SS-Frauen um uns herum waren. Daraufhin besprach ich das mit einer Freundin, und noch bevor es hell wurde, blieben wir zurück.
Am nächsten Morgen, als der Zug schon längst weitergezogen war, fanden sich fünfzig von uns zusammen, die im Laufe der Nacht zurückgeblieben waren. Wir gingen in das nächste Dorf und warteten dort die Amerikaner ab. 

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Die Judengesetze betrafen mich nicht; ich habe die ganze Zeit gearbeitet, sogar im Sternhaus habe ich Arbeit übernommen. Mein Mann leistete ständig Arbeitsdienst; er ist auch jetzt noch dort, er ist noch nicht zurückgekehrt.
Am 29. November 1944 (im Protokoll steht „1945“, offenbar ein Schreibfehler) kamen wir in ein geschütztes Haus im Szent-István-Park. Dort kamen die Pfeilkreuzler mit dem Vorwand, die Schutzpässe zu „revidieren“, trennten uns voneinander, und dann kam eine Kommission: Wer keinen Pass hatte, sollte weggebracht werden. So brachten sie uns in die Ziegelfabrik in der Vörösvári út, wo wir bis 2. Dezember blieben. Am 2. Dezember wurden wir – sechzig Personen zusammen – in einen Viehwaggon verladen und losgeschickt. In einer Woche kamen wir nach Hegyeshalom. Wir bekamen überhaupt nichts zu essen; in Zurndorf setzten sie uns in Pullman-Wagen um, und dort bekamen wir zum ersten Mal wieder etwas zu essen.
Wir kamen nach Ravensbrück. 2700 Menschen steckten sie in ein Zelt. In wenigen Tagen wurden alle 2700 gebadet; sie nahmen uns Kleidung, Schmuck, Papiere – alles weg, und wir hatten buchstäblich nicht einmal einen Meter Stoff an uns. Täglich mussten wir vormittags Sand schaufeln, dann gingen wir wieder zur Arbeit; eines Nachmittags kam ein Fabrikbesitzer und wählte uns aus. In Ravensbrück bekamen wir sechs Wochen lang kein Wasser, wir konnten uns nicht waschen; wer zum Waschen „hinausschlich“ und gesehen wurde, wurde zusammengeschlagen. Leider lagen wir an einem schlechten Platz, und so mussten wir jeden Tag Sand schaufeln, bis wir an die Reihe kamen. Es gab viele Todesfälle. Es gab Appelle, bei denen wir sehr froren. Wir hungerten ungeheuer. Morgens um 4 Uhr bekamen wir eine Scheibe Brot, und nachmittags um 4 Uhr gab es Rübensuppe als Essen.
Nach sechs Wochen wählte ein Fabrikbesitzer 700 von uns aus; nach einer Woche Fahrt stand der Waggon drei Tage am Bahnhof. Das Essen ging aus, und wir waren sehr hungrig. In der Fabrik war die Lage schon besser; nach anderthalb Wochen kamen wir zur Arbeit.
Dort arbeitete ich drei Wochen, dann wurde ich krank und blieb im Block. Mein Bein wurde wund, und wegen Vitaminmangels konnte es nicht heilen. Bis 13. April lebte ich dort ständig als Kranke. Dann brachen wir auf, und es wurde plötzlich dunkel; mit 35 Frauen blieben wir vom Transport zurück. In einem Tag legten wir 60 km zu Fuß zurück – ohne Essen und ohne Wasser. Als wir zur Oder kamen (Ortsangabe im Original: „Oderába“), wurden wir dort zusammen mit den Polinnen wieder in Waggons verladen, und die Waggonfahrt dauerte eine Woche. Man transportierte uns in offenen Waggons; manchmal bekamen wir ein Viertel Kohlrabi oder ein kleines Stück Brot, aber es kam auch vor, dass wir den ganzen Tag nichts bekamen. Zu dieser Zeit wog ich bereits 20 Kilo weniger.
Nach einer Woche Fahrt kamen wir nach Theresienstadt. Dort übergaben uns die SS-Leute, und dort wurden wir registriert/untergebracht. Später erfuhren wir, dass die SS Theresienstadt verlassen musste. Wir waren dort drei Wochen, bis uns die Russen befreiten. Danach ging es uns schon besser: Ich nahm die verlorenen Kilos wieder zu.

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Ich wohnte in Budapest und musste aufgrund einer Verordnung in das Sternenhaus in der Rákóczi út 47 umziehen. Eines Tages erschienen im Haus die Pfeilkreuzler in Begleitung eines Nationalgardisten, sie trieben die Juden im Alter von 16 bis 45 Jahren zusammen und brachten uns in die Ziegelei von Óbuda. Das geschah am 27. November 1944.
Dort befanden wir uns bis zum 2. Dezember in der schrecklichsten Lage. Zu essen bekamen wir nichts, wir lagen auf nackter Erde, und die Pfeilkreuzler schossen die ganze Nacht. Todesangst ergriff uns, wir dachten, man würde auch uns erschießen.
Am 2. Dezember brachte man uns zum Bahnhof Józsefváros und verlud uns in Güterwaggons. In einem Waggon waren wir 80 Personen. Unterwegs bekamen wir nichts zu essen. Nach 5 Tagen kamen wir in Zurndorf an. Dort übergaben sie uns den Deutschen. Dort erhielten wir bereits pro Person 10 dkg Brot, ein wenig Salami und 1 dl Suppe. Die SS zählte uns, dann setzte man uns in einen anderen Zug um und schickte uns weiter.
Am 15. Dezember kamen wir in Ravensbrück an. Unterwegs bekamen wir noch zweimal je 1 kg Brot, 10 dkg Käse, und zweimal eine warme Mahlzeit. Dort blieben wir 5 Wochen, dann brachte man uns weiter nach Penig.
In Penig ging ich in eine Flugzeugfabrik zur Arbeit, unter Aufsicht von SS-Soldaten. Die Behandlung und auch die Verpflegung waren ziemlich gut. Dort arbeiteten wir bis zum 13. April; da kam die Front schon sehr nahe, und eines Morgens rief man uns zum Appell und schickte uns zu Fuß los. Man trieb uns Tag und Nacht, ohne Essen und ohne Wasser. Als wir bei Chemnitz ankamen, blieben wir zu dritt zurück und versteckten uns in einem Wald.
Einen Monat lang irrten wir in Deutschland umher. Zweimal wurden wir aufgegriffen und zur Polizei gebracht. In der Zeit gab es starke Luftangriffe; wir litten sehr, einen ganzen Monat lang. Als man uns nach dem zweiten Mal aus der Polizei entließ, gaben wir uns unter falschem Namen als Christen aus, und so gelang es uns, in Karlsbad Lebensmittelkarten zu bekommen.
Etwa 7 km von Karlsbad entfernt wurden wir am 9. Mai 1945 von den Russen befreit. Bis dahin waren wir durch das viele Leiden so erschöpft, dass wir ins Krankenhaus kamen und dort 6 Wochen gepflegt wurden. Mitte Juni machte ich mich – bereits genesen – auf den Weg nach Budapest.

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Am 26. November 1944 wurde ich von Pfeilkreuzlern aus meiner Wohnung verschleppt und in den Tattersaal (Reithalle) gebracht, dann von dort in die Ziegelei Óbuda. Es war ein größerer Transport; die Zahl kann ich nicht angeben. Am 2. Dezember 1944 wurden wir in Waggons verladen. Für die Fahrt bekamen wir überhaupt kein Essen; unterwegs gaben sie einmal Tomatenkonserven. In Hegyeshalom übernahmen uns die Deutschen, eine SS-Einheit; dort bekamen wir von ihnen Brot und Käse. Am 9. Dezember kamen wir in Ravensbrück an.
Wir wohnten in einem großen Zeltlager, 2.500 von uns zusammen. Morgens und nachmittags mussten wir stundenlang Appell stehen – ohne Rücksicht darauf, ob jemand krank war oder nicht. Sie schlugen und prügelten uns regelmäßig.
Unsere Verpflegung war folgende: morgens bitterer schwarzer (Kaffee), mittags ein paar Deziliter Kohlrübensuppe, abends ein wenig Brot. Einen Monat war ich in Ravensbrück; in dieser Zeit schaufelte ich Sand, das war meine Arbeit.
Nach einem Monat wählten sie uns für einen Arbeitstransport aus; 700 gingen nach Penig. Für eine viertägige Reise bekamen wir Lebensmittel, und zwar: 1/2 kg Brot, 5 dkg Margarine, 2 dkg Salami. In einer Rüstungsfabrik arbeitete ich täglich 12 Stunden. Wenn wir nach der Tagesarbeit erschöpft nach Hause kamen, mussten wir trotzdem noch stundenlang Appell stehen; erst danach bekamen wir die Suppe. In Wasser schwammen einige Graupen.
Die Fabrik war ziemlich weit vom Lager entfernt; man brachte uns mit einem Lastwagen dorthin, weil uns wegen der mangelhaften Kleidung bei allen die Füße erfroren waren. Einen Monat lag ich krank im Revier; als ich genesen war, ging ich nicht zurück in die Fabrik, sondern arbeitete im Lager. Trotz meiner stark erfrorenen Füße musste ich auch in der grausamsten Kälte draußen Appell stehen.
Am 13. April 1945 schickte man das Lager zu Fuß los. Am ersten Tag marschierten wir 24 Stunden ununterbrochen. In der Gegend um Leipzig (gemeint ist sehr wahrscheinlich Chemnitz) blieben wir – zusammen mit noch 24 Gefährtinnen – zurück; wir flohen. Wir waren entsetzlich müde und ließen uns auf dem Feld nieder. Es stellte sich heraus, dass wir uns fast mitten im Frontgebiet hingelegt hatten. Ein deutscher Soldat brachte uns von dort weg und setzte uns in einen leerstehenden Straßenbahnwagen. Dort verbrachten wir die Nacht, dann gingen wir weiter.
Wir drehten unsere Kleidung um, damit der rote Streifen auf unserem Rücken und die Nummern nicht verrieten, dass wir Häftlinge waren. Als ungarische Arbeiterinnen zogen wir weiter. In Chemnitz-Borna waren wir zwei Wochen; für wenig Essen verrichteten wir verschiedene Arbeiten bei einigen dortigen Familien. Dann gingen wir weiter.
Am 5. Mai erreichten wir die tschechische Grenze, aber da waren wir nur noch 11 zusammen. Einige von uns kamen unterwegs auch um, weil während unseres Wanderns eine unserer Gefährtinnen irgendwie verriet, dass wir Juden seien. Man erschoss sie. Wir flohen, aber man schoss auf uns. Ein dreizehnjähriges Mädchen wurde neben mir getroffen und erschossen. 

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Am 2. Dezember 1944 brachten sie mich aus dem geschützten Haus in das Ghetto am Klauzál tér. Dort wählten sie die unter 40-Jährigen aus – die Älteren blieben im Ghetto – und brachten uns direkt zum Bahnhof Józsefváros, wo wir in Waggons verladen wurden. Die Fahrt dauerte 8 Tage; Essen wurde nur in den letzten zwei Tagen ausgegeben: 20 dkg Brot und etwas Fett. In einem Waggon waren ungefähr 70 Menschen im wörtlichen Sinn zusammengepresst, so dass man nur abwechselnd stehen oder sich auf den nackten Boden setzen konnte. Wasser bekamen wir während der ganzen Fahrt nicht; auch die WC-Möglichkeit war sehr schwierig.
Die ungarische Gendarmerie begleitete uns bis Zurndorf; dort übernahmen uns deutsche SS-Einheiten. Meines Wissens gelang es bei dieser Gelegenheit einigen Menschen zu fliehen. Nach 8 Tagen qualvoller Reise kamen wir in Ravensbrück an. Am Bahnhof stand eine Reihe von SS-Leuten mit aufgepflanztem Bajonett. Untergebracht wurden wir in Zelten, in denen es überhaupt keine Liegeplätze gab – nur so viel Platz, dass jeder sich auf sein Gepäck setzen konnte. Die Versorgung war einigermaßen erträglich. Erst nach ein paar Tagen kam die Desinfektion an die Reihe. Dort mussten wir in Fünferreihen antreten und die ganze Nacht in der winterlichen Kälte draußen stehen, bis wir schließlich gegen Morgen an die Reihe kamen. Im Bad nahmen sie uns die Kleider und Mäntel weg; wir bekamen nur Kleider zurück. Den meisten schnitten sie auch die Haare ab.
Nach dem Bad brachten sie uns wieder ins Zelt zurück; dort konnte man inzwischen nicht einmal mehr sitzen, so dass wir auf dem nackten kalten Boden lagen. Morgens um 4 Uhr stellten sie uns zum Appell in Fünferreihen auf; stundenlang mussten wir uns reglos in der Kälte hinstellen, mit kahlgeschorenem Kopf, in einem einzigen Kleidungsstück, bis ungefähr gegen 8 Uhr die Frühstücksausgabe kam, die aus einem halben Deziliter bitterem „Schwarzen“ (Kaffee) bestand. Eine Waschgelegenheit gab es überhaupt nicht; etwa 3 Wochen konnten wir uns gar nicht waschen. Wir behalfen uns so, dass wir unser Gesicht mit dem zum Frühstück erhaltenen schwarzen Kaffee wuschen. Infolge dieser unmöglichen Umstände gab es unter uns sehr viele Krätzige und Verlauste.
Am traurigsten war jedoch, dass infolge von Durchfall täglich Menschen starben. Zwar gab es ein Revier, aber dorthin gelangte man nur schwer. Die Arbeit bestand darin, dass wir ohne jeden Sinn Sand von einer Stelle zur anderen schaufelten. Die Behandlung war sehr streng; SS-Frauen und Arbeitsaufseher schlugen uns ständig.
An diesem Ort war ich ungefähr 4 Wochen, dann wählten sie 700 Menschen aus, vor allem die Kräftigeren, und wir fuhren 3 Tage im Waggon. Auch dort litten wir sehr unter der Kälte. In dem Waggon waren wir nicht mehr als ungefähr 50 Personen; gerade deshalb froren wir so sehr. Nach drei Tagen kamen wir in Penig an.
In Penig arbeitete ich in einer Munitionsfabrik, die etwa eine Stunde Fußweg vom Lager entfernt war, so dass wir täglich 2 Stunden gehen mussten. Die Arbeit wurde in drei Schichten verrichtet. Um halb 4 war Wecken, und um 6 Uhr gingen wir zur Arbeit bis 14 Uhr; die zweite Gruppe arbeitete von 14 bis 22 Uhr, die dritte von 22 bis 6 Uhr.
Am schlimmsten war die Nachtschicht, weil es immer 9 Uhr war, bis wir morgens ins Bett konnten; und um halb 11 mussten wir schon wieder zum Appell antreten und uns zum Essen anstellen – so dass gewöhnlich höchstens 2-3 Stunden Schlaf blieben. Die Verpflegung war sehr gering: ungefähr 15 dkg Brot und sehr wenig Suppe, mittags vielleicht einen halben Liter. Die Arbeit war sehr schwer, weil die meisten Steharbeit hatten, und wenn es vorkam, dass jemand in der Nachtschicht etwas langsamer arbeitete oder einnickte, dann schlugen die SS-Frauen sie während der Arbeit. An Flecktyphus und an völliger Entkräftung starben sehr viele, besonders gegen Frühling.
Als sich die amerikanischen Truppen näherten, trieben sie uns zu Fuß in ein anderes Lager. Wohin die anderen kamen, weiß ich nicht, weil ich unterwegs von meinen Kameradinnen zurückblieb. Für den Marsch bekamen wir kein Essen; dadurch waren viele vor Schwäche nicht mehr fähig weiterzugehen. Nach ungefähr 22 km Fußmarsch gelangten wir mit meinen Kameradinnen nach Borna (bei Chemnitz), wo wir als deutsche Flüchtlinge auftraten. Das Essen erbettelten wir, und die Nächte verbrachten wir an ausgebombten Orten. Vielleicht waren wir 2 Wochen dort, dann machten wir uns wieder auf den Weg; nach etwa 20 km zu Fuß kamen wir nach Herrenhaide, wo uns bereits die amerikanischen Truppen empfingen. Sie brachten uns in Villen unter und sorgten für die beste und nahrhafteste Verpflegung.
Inzwischen zogen die amerikanischen Truppen von dort ab, daher machten wir uns erneut auf den Weg, um endlich nach Hause zu gelangen. Wir legten etwa 5 km zurück und kamen nach Burgstädt. Von dort gab es jedoch keine Zugverbindung, deshalb mussten wir eine Woche dortbleiben. Von dort gelangten wir mit dem Auto nach Lunzenau, von wo es mir schließlich mithilfe der russischen Truppen gelang, über die Tschechoslowakei nach Hause zurückzukehren.

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Ich arbeitete in einem Rüstungsbetrieb als Arbeiterin; von dort holten mich am 1. Dezember die Pfeilkreuzler ab. An diesem Tag sammelten sie sehr viele Frauen ein und verluden uns sofort in Waggons. Wir waren acht Tage unterwegs. Bei Hegyeshalom öffneten sie den Waggon, und wir wurden in einen Personenzug umgesetzt. Die Deutschen gaben uns irgendein Gemüsegericht und Butter. Bis dahin hatten wir insgesamt nur ein einziges Mal ein kleines Stück Brot bekommen. Zu dieser Zeit gab es bereits Bombardierungen; tagsüber stand der Zug meistens, und er fuhr nur nachts.
In Ravensbrück kamen wir abends an; wir wurden von Maschinengewehrfeuer empfangen. SS-Frauen schrien uns an. Wir hatten große Angst. Als wir in das Lager hineingingen, schauten Frauen aus den Fenstern der Baracken und fragten, woher wir kämen. Das waren Mädchen aus der Slowakei und aus der Karpato-Ukraine. Wir rochen einen Brandgeruch und glaubten, man würde uns hier lebendig verbrennen. Man brachte uns in eine Baracke; zwölf Tage lang schliefen wir ohne Betten auf dem nackten Boden. Nachts durften wir nicht zur Toilette hinaus; es standen Eimer drinnen. Diese waren bald voll und liefen aus – über den ganzen Boden –, und wir mussten in diesem furchtbaren Schmutz liegen.
Am nächsten Tag standen wir stundenlang beim Appell, im knietiefen Schlamm. Später erfuhren wir, dass es hier tatsächlich ein Krematorium gibt, aber dass nur diejenigen verbrannt werden, die bereits eines natürlichen Todes gestorben sind. Im Lager waren dreitausend Frauen. Wir mussten Sand schaufeln, täglich neun Stunden. Um 3 Uhr morgens standen wir auf; dann bekamen wir einen bitteren, dünnen „Schwarzen“ (Kaffee). Gegen 5 Uhr nachmittags gab es das Essen: Mairübensuppe und 15 dkg Brot. Abends bekamen wir ebenfalls etwas Suppenartiges oder ein Stück Käse. Das war sehr wenig; wir hungerten stark.
Später erhielten wir Betten: drei bis vier Personen schliefen in einem Bett, und es gab dreistöckige Pritschen. Oft brach die oberste herunter, und dann starben diejenigen, auf die sie fiel. Es gab auch ein Revier, aber dort war sehr wenig Platz; deshalb lagen Typhuskranke zusammen mit uns in der Baracke.
Eines Tages kam ein Fabrikbesitzer, der Arbeiterinnen suchte. Alle Frauen mussten beim Appell antreten; er wählte 500 aus, darunter auch mich. Dann brachte man uns ins Bad und schor uns kahl. Dieses Baden und das Warten dauerten bis zum nächsten Morgen; bis dahin mussten wir im Badehaus stehen – weder hinlegen noch hinsetzen war erlaubt.
Wir fuhren drei Tage. Das Essen, das man uns für die Fahrt mitgegeben hatte, aßen wir am ersten Tag; danach hungerten wir zwei Tage lang.
In Penig brachte man uns in Baracken unter, die von den Vorgängerinnen bereits schmutzig und verlaust waren. Wir mussten auf abgenutztem, verlaustem Stroh liegen; in wenigen Augenblicken waren wir von tausenden Läusen bedeckt. Wir arbeiteten in einer Flugzeugteilefabrik, täglich acht Stunden. Die Fabrik war jedoch 4 km vom Lager entfernt; diesen Weg mussten wir im Laufschritt zurücklegen, weil die SS uns hetzte und schlug.
In der Fabrik waren die Meister wohlwollend; wenn sie konnten, brachten sie uns etwas zu essen. Das waren Kommunisten. Wegen der mangelhaften Ernährung traten viele Eiterbeulen und Hautkrankheiten auf. Ich hatte ein Karbunkel am Kopf; man schnitt ihn ohne Betäubung auf. Ich hatte ständig Schmerzen, auch mein Herz wurde schwächer. Ich war sehr schwach, hatte Atemnot, Fieber – aber man jagte mich trotzdem zur Arbeit. Als ich vor Schwäche gegen eine Wand fiel, schlug mir ein SS-Mann mit voller Wucht auf meinen frisch geschorenen, wunden Kopf.
Am 13. April bekamen wir überhaupt kein Brot mehr, nur noch ¼ Liter Rübensaft. Wir waren in einem entsetzlichen Zustand. Mein Fuß war im Winter erfroren und war inzwischen vereitert. Man wollte mich zu Fuß mitnehmen, aber ich sagte, dass ich nicht gehen könne; ich kümmerte mich nicht darum, dass man mich vielleicht erschießen würde. Daraufhin gingen die SS-Leute mit den Marschierenden weiter.
Einen Teil der Kranken aus dem Revier brachte man auf einem Wagen weg, aber ich stieg nicht mehr auf den Wagen. Mit einer Freundin blieb ich zwei Tage dort – ohne Essen und ohne Wasser. Am dritten Tag rappelte ich mich auf und kroch auf allen vieren in den Hof hinunter. Genau da fuhren amerikanische Panzer ein. Als ich sagte, dass ich seit drei Tagen nichts gegessen hatte, warfen sie mir Zwieback/Kekse, Schokolade und allerlei Lebensmittel zu. 

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Am 23. Oktober 1944 meldete ich mich aufgrund des Einberufungsaufrufs auf dem KISOK-Sportplatz. Von dort brachten sie uns noch am selben Tag zu Fuß nach Ferihegy. Drei Wochen lang leisteten wir Schanzen-/Grabenarbeiten, und als die Russen näherkamen, wurden wir weitergetrieben. 28 Stunden marschierten wir ununterbrochen bis nach Albertfalva. Vier Tage blieben wir dort, und während dieser Zeit erhielten wir überhaupt keine Versorgung.
Unsere nächste Station war die Ziegelei in Óbuda. Man sagte uns, dort würden wir einen Entlassungsschein bekommen; das war der Grund, weshalb wir nicht geflohen sind. Zu Fuß trieb man uns nach Hegyeshalom; den ganzen Weg hofften wir, dass man uns nicht aus dem Land bringen würde. Von Hegyeshalom aus transportierte man uns in Waggons fast bis Berlin. Von der Berliner Stadtgrenze brachte man uns dann mit Schnellzuggeschwindigkeit wieder zurück nach Zurndorf.
Der Anblick, der sich uns dort bot, glich einer Leprakolonie. Das war das schrecklichste Erlebnis unserer Deportation, darüber kann ich eigentlich kaum sprechen. Die Toten lagen in Haufen, und dort brauchte offenbar niemand Gold: An den Leichen blieben Uhren und Eheringe. Die Leichen wurden bündelweise in die Grube geworfen. Ursache der hohen Sterblichkeit war zum großen Teil Bauchtyphus. Der größte Teil der Toten waren ältere Menschen, alle waren schon über 40 Jahre.
In Zurndorf wurden wir wieder in Waggons verladen und direkt nach Ravensbrück gebracht. Wir Budapesterinnen – 3600 – lebten in einem großen Zelt. Leider sind von uns gerade dort die meisten umgekommen. Wir bekamen keine Versorgung, litten unter der schlechten Behandlung und unter der Kälte. Man schlug und prügelte uns ständig. Wir waren voller Kleiderläuse, und der Flecktyphus wütete. Die Sterblichkeit stieg unaufhörlich. Eine nach der anderen starben unsere Kameradinnen neben uns. Im dortigen Krematorium verbrannte man nur Leichen – und davon gab es ungeheuer viele.
Unsere Kleidung bestand aus leichter Sommerkleidung, nicht einmal ein Kopftuch gab man uns. So mussten wir selbst bei der größten Kälte draußen arbeiten: Wir schaufelten Sand.
Am 9. Januar verlud man uns dort erneut, und nach drei Tagen Fahrt kamen wir in Penig an. Dort waren 800 ungarische jüdische Frauen, und wir arbeiteten in einer Flugzeugfabrik. Die ohnehin schon schreckliche und mangelhafte Versorgung wurde ständig weiter gekürzt. Wasser hatten wir nicht; wir wuschen uns mit schwarzem Kaffee. Andere Körperpflege war nicht möglich. Viele von uns hatten am ganzen Körper Wunden und Flecken von Vitaminmangel. Wir bekamen Infektionen.
Zu unserem Arbeitsplatz mussten wir täglich 8 km zu Fuß gehen – bergauf und bergab – im forcierten Marschtempo. Unser Arbeitsführer war ein ungarndeutscher Schwabe, der gut Ungarisch sprach; er behandelte uns sehr schlecht. Dieser Adolf schlug uns oft so mit einem Riemen/Gürtel, dass wir am nächsten Tag kaum aufstehen konnten.
Anfang April, als im Lager die Bäume austrieben, aßen wir die Blätter. Alle Bäume waren kahlgefressen. Später kamen wir auf den Berg, dort wohnten wir, und oft hatten wir nicht einmal mehr die Kraft, zum Mittagessen hinunterzugehen. Wenn wir in solchen Fällen doch hinuntergingen, bekamen wir das Essen für drei Tage auf einmal, aßen es sofort auf – und dann hungerten wir wieder drei Tage.
Die Amerikaner befreiten uns am 13. April. Damals lagen 72 von uns im Krankenhaus, skelettartig abgemagert. Unsere Befreier sagten, sie hätten in noch keinem Lager erlebt, was sie bei uns gesehen hätten. Wären sie eine Woche später gekommen, wären wir alle gestorben. Die Amerikaner brachten uns in ein Sanatorium, wo wir gesund wurden.
Unser Leben verdanken wir Leutnant George Friedmann, der in der 6. Division diente. Durch seine aufopfernde Güte rettete er uns; seinen Namen werden wir für immer in Erinnerung behalten. 

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Ich arbeitete in einem vom Internationalen Roten Kreuz geschützten Haus als Näherin. In dem Haus Sütő utca 2 nähten wir Militärkleidung. Die Pfeilkreuzler belästigten uns ständig, und schließlich brachten sie uns am 29. November in die Ziegelfabrik in Óbuda. Am 1. Dezember wurden wir dann am Bahnhof Józsefváros in Waggons verladen. 75 Personen wurden in einen Waggon gepfercht. An Lebensmitteln herrschte unterwegs kein Mangel, weil wir etwas mitnehmen durften; nur unter Wassermangel litten wir unsagbar. Wir waren eine Woche unterwegs und fuhren immer nur nachts. Tagsüber stellte man die Waggons auf Nebengleise; ich glaube, das geschah, damit die Zivilbevölkerung uns nicht sah.
In Ravensbrück nahm man uns nach der Ankunft alle Sachen weg. In der größten Kälte mussten wir in Sommerkleidung in offenen Zelten frieren. Das Grundwasser stieg hoch, und wir lagen im Wasser und im Schlamm. Das Essen war ungenießbar. Nach einer Woche baute man auf einer Seite des Zeltes Betten auf; nun litten wir nicht nur unter dem Grundwasser, sondern – wenn Tauwetter war – auch unter dem von oben hereinströmenden Regen und Schnee. Sehr viele wurden krank, besonders Durchfall war häufig. Zur Toilette durften wir nicht; wir mussten unsere Notdurft drinnen verrichten. Waschmöglichkeiten und Trinkwasser gab es überhaupt nicht. Sechs Wochen verbrachten wir dort unter furchtbaren Umständen. Im Morgengrauen standen wir 3–4 Stunden beim Appell. Danach trieb man uns zur Zwangsarbeit hinaus, die keinen Sinn hatte – außer uns zu quälen. Zum Beispiel trugen wir Sand hin und her; stehen bleiben durfte man nicht, weil man uns ständig schlug und trat. Dort war auch ein SS-Mann, der fortwährend seinen Hund auf uns hetzte.
Anfang Januar kam ich mit einem Transport nach Penig. Die Fahrt war schrecklich: Man transportierte uns in völlig offenen Waggons, die mit Schnee und Eis gefüllt waren. Viele wurden krank, bis wir nach vier Tagen Fahrt ankamen. In Penig wurden wir zunächst ziemlich gut aufgenommen. Später zeigte sich jedoch, dass dies nur Heuchelei war, denn eine Woche später änderte sich alles völlig: Sowohl die Verpflegung als auch die Behandlung wurden so schlecht wie möglich. Jeden Tag mussten wir 8 km zu unserem Arbeitsplatz laufen. Man kann sich vorstellen, wie ein Frauenarbeitslager aussah, in dem es überhaupt kein Wasser und keine Wasserleitungen gab. Im Winter wärmten wir Schnee und wuschen uns damit. Heizen konnten wir nur, wenn wir Holz und Kohle stahlen. Natürlich wurden sehr viele lausig. Wir mussten oft zum Appell antreten. Wenn wir Nachtschicht hatten, standen wir den ganzen Tag beim Appell, so dass wir nicht schlafen konnten, und jeder brach vor Erschöpfung beinahe zusammen.
Als die Amerikaner näherkamen, brachen wir unter Begleitung der SS zu 600 auf, ohne jedes Ziel. Von halb vier nachmittags bis drei Uhr nachts marschierten wir. Nicht einmal für eine Minute durfte man sich hinsetzen. Ich war mit meiner Schwester zusammen, und wir konnten kaum noch weitergehen. Um drei Uhr nachts beschlossen wir zu fliehen. Wir waren völlig erschöpft, setzten uns am Straßenrand nieder, und am Morgen, als es hell wurde, suchten wir ein ausgebombtes Haus. Dort versteckten wir uns. Drei Wochen lebten wir so: von einem ausgebombten Haus zum nächsten ziehend. Überall hatten wir Angst, entdeckt zu werden. Wir aßen Kartoffeln roh, weil es keine Möglichkeit zum Kochen gab. Natürlich bauten wir sehr ab. Schließlich flohen wir durch die Frontlinie zu den Amerikanern. Fünf Wochen lebten wir in Zwickau. Danach gingen wir in das amerikanische jüdische Lager nach Waldenburg. Dort versorgte man uns mit allem, was menschlich denkbar war, und kleidete uns vollständig ein. 

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Ich arbeitete in Budapest in einem Rüstungsbetrieb, als mich eines Tages – ungefähr Anfang Dezember des Vorjahres – früh am Morgen Behörden/amtliche Organe in den Hof riefen und uns direkt in die Ziegelfabrik in Buda brachten. Kleidung und Lebensmittel durften wir mitnehmen. In der Ziegelfabrik mussten wir nicht arbeiten; Essen bekamen wir dort nicht, nur das, was wir selbst mitgebracht hatten.
Das Ghetto war von Polizei abgeriegelt, sehr viele Menschen waren zusammengepfercht; niemand hatte Platz, die Menschen saßen und standen abwechselnd. Einigen gelang die Flucht. Im Ghetto waren wir drei Tage. Eines Tages wurden wir plötzlich einwaggoniert; unser Gepäck durften wir mitnehmen.
In einem Waggon waren ungefähr 80 Menschen zusammengepresst. Wir litten furchtbar unter Durst, weil wir kein Wasser beschaffen konnten. Ebenso gab es keine WC-Möglichkeit. Leider kam es auch zu vielen Todesfällen, vor allem unter den Älteren und Schwächeren.
Bei Hegyeshalom übernahmen uns die deutschen SS-Einheiten; dort bekamen wir ein wenig Suppe. Wir mussten aus den Waggons aussteigen, und man zählte uns durch; dabei behandelten uns die SS-Soldaten sehr grob. Es kam vor, dass jemand doch aussteigen konnte, wenn er nicht mehr weiterkonnte – wenn er dann nicht schnell genug war, wurde er zusammengeschlagen. Tagsüber stand der Zug, die Fahrt wurde nur nachts fortgesetzt.
Nach 8 Tagen Reise kamen wir in Ravensbrück an. Nachts beim Aussteigen stand eine deutsche SS-Einheit als Spalier mit aufgepflanztem Bajonett. Beim Aussteigen mussten wir die im Waggon liegenden Leichen selbst ins Lager hineintragen. Gleichzeitig geschah es, dass völlig Entkräftete zusammenbrachen; diese ließ man am Ort liegen.
Vor dem Lagertor zählte uns die SS noch einmal durch und brachte uns in Schlammzelte. In einem solchen Zelt waren ungefähr 2800 Menschen in unvorstellbarer Weise untergebracht. Sitzen konnte man nicht, nur stehen – und in dieser schrecklichen Lage blieben wir fünf Tage lang. In Gruppen eingeteilt erfolgte die Entlausung/Desinfektion; dabei nahmen sie uns die Kleidung und alle bei uns befindlichen Wertgegenstände weg. Für alles stellten sie ein Übernahmeverzeichnis aus. Einigen schnitt man auch die Haare ab, aber nicht allen. Statt unserer eigenen Sachen bekamen wir als „Kleidung“ bezeichnete Lumpen; die Schuhe ließ man uns.
Eines Nachts erschienen plötzlich SS-Aufseherinnen und begannen, uns der Reihe nach zu schlagen, mit der Behauptung, wir hätten Unterwäsche versteckt. Ich erinnere mich, dass bei dieser Gelegenheit eine meiner Kameradinnen vor Schreck den Verstand verlor; sie wurde noch an Ort und Stelle erschossen.
Die Verpflegung war sehr mangelhaft und wenig: morgens ein halbes Deziliter „Schwarzer“, mittags irgendeine grünliche, wässrige Brühe, abends etwa 10 dkg Brot und dazu etwas Fett. Die Arbeit bestand darin, dass wir Sand schaufeln oder mit der Schubkarre fahren mussten, von einem Ort zum anderen – eine völlig sinnlose Arbeit. Die Behandlung war sehr brutal; teils deswegen, teils durch völlige Entkräftung gingen innerhalb von drei Wochen ungefähr 700 Menschen zugrunde. Morgens um 3 Uhr begann der Appell, und stundenlang zählte man uns – reglos stehend. Die Arbeit dauerte von 5 Uhr morgens bis 6 Uhr abends.
In Ravensbrück war ich drei Wochen, von dort kam ich mit einem Transport – wir waren ungefähr 700 – nach Penig. Im Waggon lag der Schnee knietief; etwa 140 Menschen waren in unvorstellbarer Weise zusammengepfercht, und in unserer dünnen Kleidung und dem kurzen Mäntelchen froren wir sehr. Es gab auch welche, die nicht einmal einen Mantel hatten, nur ein einziges dünnes Kleid. Für die Fahrt bekamen wir ein wenig Brot und etwas Fett dazu. Nach vier Tagen Fahrt kamen wir in Penig an, wo ich in einer Munitionsfabrik arbeitete; wir waren dort ungefähr 300. Die Arbeit erfolgte in drei Schichten: von 6 bis 14 Uhr, von 14 bis 22 Uhr und von 22 bis 6 Uhr. Die Arbeit geschah unter der Aufsicht von SS-Aufseherinnen und Soldaten; man behandelte uns sehr streng. Der Weg zur Fabrik betrug 7 km, und weil die Versorgung so schwach war, brachen schon während der Arbeit viele vor Entkräftung zusammen. Solche Menschen schlug man oder schnitt ihnen die Haare ab.
Ungefähr am 13. April (d. J.), als sich die russischen Truppen näherten, setzte man uns zu Fuß in Marsch. Bevor wir aufbrachen, mussten wir noch die Toten selbst begraben, die Gräber einebnen und mit Stroh abdecken. Ich erinnere mich daran, dass ungefähr 40 Menschen krank im Revier zurückblieben; was mit ihnen geschah, weiß ich nicht.
Auch beim Marsch litten wir sehr. Man trieb uns ständig an, zumal sich auch die amerikanischen Truppen näherten, die uns mit Flugzeugen verfolgten. Als die SS-Soldaten und -Frauen das sahen, suchten sie in unseren Reihen Deckung; die Soldaten versteckten ihre Waffen unter den Mänteln. Wir legten ungefähr 25 km zurück, als 70 von uns zurückblieben, weil wir vor Schwäche nicht mehr weitergehen konnten. Wir gelangten auf ein Feld, wo wir uns hinlegten. Am nächsten Tag bekamen wir in Privathäusern und Scheunen Unterkunft. Noch am selben Abend erschien ein deutscher Polizist, der uns nach Chemnitz in ein Lager bringen wollte. Als er sah, wie entkräftet wir waren – viele brachen bereits vor Hunger und Erschöpfung zusammen –, ließ er uns im Wald zurück.
Ungefähr 10 Tage versteckten wir uns in Häusern, Wäldern, Scheunen und unter freiem Himmel, bis wir erfuhren, dass in der Nähe, in einem Dorf namens Borna, ein Lager sei. Wir gingen dorthin; man brachte uns in Baracken unter, dort waren überwiegend „arische“ Gefangene. Nach ungefähr 8 Tagen Aufenthalt erschien eines Nachts ein deutscher Polizist, und wir mussten wieder zu Fuß weitergehen, etwa 4–5 km. So kamen wir wieder nach Chemnitz. Dort verbrachten wir eine Nacht, dann wollte man uns erneut weiterbringen. Uns gelang es jedoch mit Mühe, aus dem Lager zu fliehen – wir waren vielleicht 20. Wir gingen etwa 30 km zu Fuß und kamen nach Herrenhaide, wo bereits amerikanische Truppen waren; sie übernahmen uns – das war am 30. April (d. J.).
Die Amerikaner brachten uns nach Cossen, wo uns das russische Militär übernahm. Mit deren Hilfe gelangten wir nach Pest zurück – über Pilsen, Prag und Pressburg.
Zukunftspläne habe ich noch nicht; alles hängt davon ab, wen ich zu Hause von meinen Angehörigen noch antreffe. 

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Ich lebte zusammen mit meinen Eltern; wir hatten ziemlich um unseren Lebensunterhalt zu kämpfen. Am 10.11.1944 brachte man mich zusammen mit meinen Eltern ins Ghetto. Man schleppte mich mit meinen Eltern aus der Wohnung; als man uns zurückbrachte, fanden wir die Wohnung bereits völlig geplündert und leer vor.
Einige Tage später brachte man uns dann aus dem Ghetto weg, zu Fuß. Unterwegs bekamen wir nichts zu essen, wir hungerten sehr; ohne jede Ausrüstung gingen wir zum Ziegelwerk. Bis Hegyeshalom marschierten wir zu Fuß, täglich etwa 35–40 Kilometer. Unsere Versorgung: zweimal täglich bekamen wir Suppe, wenig Brot. Wir hielten das Marschieren nicht aus, brachen unterwegs zusammen, aber die Pfeilkreuzler schlugen uns so lange, bis wir entweder weitergingen oder dort liegenblieben. Sehr viele meiner Leidensgenossinnen starben unterwegs, darunter auch viele Bekannte. Sie fielen am Straßenrand um; die Pfeilkreuzler prügelten sie dennoch wahllos, damit sie weitergehen. Und damit alles vollständig sei, brach unterwegs auch noch eine Ruhr- und Typhusepidemie aus.
Bei Hegyeshalom übernahmen SS-Formationen; dort pferchte man uns in Güterwagen. 75 von uns kamen zusammengedrängt in einen Wagen, und zwei Wochen lang, bis man uns endlich in Bewegung setzte. Wir lagen im Wagen übereinander, es gab viele Kranke; die Typhusepidemie begleitete uns auch hier. Wir hatten kein Wasser, und während der ganzen Fahrt bekamen wir nur zweimal etwas zu essen. Bis Ravensbrück dauerte die Fahrt zwei Wochen, bis wir endlich ankamen; dort kamen wir dann in Quarantäne.
Man brachte uns ins Bad, schor uns kahl und wir bekamen ein Sommerkleid und nur ein einziges Stück Unterwäsche. Zwei Wochen lang schliefen wir auf dem Boden, erst danach bekamen wir Betten. Arbeiten mussten wir nicht; stattdessen standen wir ständig beim Appell, oft dauerte dieses Herumstehen auch fünf Stunden. Auch hier wurden wir ständig geschlagen. Die Versorgung war sehr schlecht: Suppe, eine Brotration von 10 Dekagramm, schwarzer Kaffee, außerdem 2 Dekagramm Margarine oder Wurst. Oft waren wir Zeugen, wie Menschen ins Krematorium gebracht wurden – und zwar lebende Menschen.
Mein Leiden in Ravensbrück dauerte zwei Monate, bis Anfang Februar. Von dort brachte man uns nach einer Auswahl 700 Menschen nach Penig. Man verlud uns in Güterwagen, 65 in einen Wagen. Die Fahrt war den Umständen entsprechend ziemlich ordentlich; auch die Versorgung war während der einwöchigen Reise zufriedenstellend.
In Penig angekommen, brachte man uns in einer Fabrik unter; dort erlebten wir eine angenehme Überraschung: Wir konnten endlich an einem Tisch sitzen, und wir bekamen auch zu essen. Drei Kilometer von Penig entfernt gab es ein Lager; von dort gingen wir später in die Fabrik zur Arbeit. Das Lager war ziemlich ordentlich: Wir schliefen in getrennten Betten, wir hatten sogar Decken. Vom Lager gingen wir in die Fabrik; wir arbeiteten täglich 12 Stunden, abwechselnd in Tag- und Nachtschicht. Die SS-Frauen behandelten uns sehr schlecht; sie schlugen uns ohne jeden Grund. Täglich legten wir 6 Kilometer hin und zurück. In der letzten Zeit hungerten wir schon so sehr, dass wir aus dem Müll Kartoffelschalen herauslasen.
Aus Penig brachte man uns vor den amerikanischen Truppen weg – eine Stunde vor deren Ankunft. Tag und Nacht marschierten wir vor den Amerikanern. Ich konnte den Marsch nicht mehr ertragen; unterwegs wurde mir schlecht; man warf mich einfach an den Straßenrand und ließ mich dort. Als ich wieder zu mir kam, war es schon völlig dunkel, und ich lag dort allein, hilflos.
Bei Chemnitz fand mich eine gutherzige österreichische Familie; sie nahm mich auf, gab mir zu essen und Unterkunft. Dem sich meldenden deutschen Soldaten sagten sie, ich würde in einer Stunde ohnehin tot sein, deshalb sei es nicht mehr der Mühe wert. Eine Zeit lang behielten sie mich bei sich, danach übergaben sie mich dem französischen Lager. Dort bekam ich ein Bad, man kleidete mich ein, und man gab mir die feinsten Speisen; aber nach dem langen Hungern vertrug mein Magen die Nahrung nicht, und ich war sehr krank. Zwischen Leben und Tod brachte man mich ins Krankenhaus in Zwickau.
Die Ärzte hatten mich bereits aufgegeben, aber der liebe Gott war mit mir und half mir nach Hause. Als ich wieder so viel Kraft hatte, dass ich ein wenig gehen konnte, machte ich mich mit einem tschechischen Transport auf den Heimweg: mit dem Autobus bis Karlsbad, dann mit dem Zug über Prag und Pressburg (Bratislava). Unterwegs versorgte mich das tschechische Volk mit allem Guten; an sie kann ich mich nur mit Dankbarkeit erinnern.
Pläne für die Zukunft: Als ich nach Hause kam, fand ich niemanden mehr hier; meine Eltern hat man aus dem Ghetto weggebracht, über meinen Bruder weiß ich ebenfalls nichts. Jetzt versuche ich zu arbeiten; vielleicht wird es gelingen. 

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Wir wohnten in dem geschützten Haus in der Tátra-Straße 14. Eines Tages kamen die Pfeilkreuzler hinein und brachten uns in die Ziegelfabrik in Óbuda. Von dort brachte man uns zum Bahnhof Józsefváros, wo wir in Waggons verladen wurden.
Wir kamen nach Ravensbrück, wo uns SS-Aufseherinnen erwarteten. Unsere Kleider nahm man uns weg und gab uns Lumpen; ich bekam zum Beispiel ein Pyjamajäckchen. In diesem Jäckchen war ich im Dezember. Wir wohnten in offenen Zelten. Meine Arbeit war sehr schwer: Schaufeln, Loren schieben und Schubkarre fahren. Wir hungerten sehr. Es gab sehr viele Tote; die meisten starben an Durchfall.
Von Ravensbrück kam ich mit einem Arbeitstransport nach Penig. Das war das schlimmste Arbeitslager. Wir mussten täglich 8 km zu Fuß zur Arbeitsstelle gehen, wo wir 8 Stunden harte Arbeit leisteten. Nachtschichten und Tagschichten wechselten einander ab. Ich arbeitete an einer Revolver-Drehbank (Revolverbank).
Unsere tägliche Nahrung bestand aus 10 dkg Brot, 1 Löffel Rübensaft und 1 dkg Margarine.
Unmittelbar vor der Befreiung hungerte ich so sehr, dass ich in meiner mit einem Kreuz gekennzeichneten Kleidung ins Dorf hinausging und mir von den Dorfbewohnern Lebensmittel besorgte. Dafür hätte es eine schwere Strafe gegeben, aber dazu kam es nicht mehr, denn am nächsten Tag kamen die Amerikaner und befreiten uns.

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Ich arbeitete in einer Rüstungsfabrik, von dort wurde ich am 1. Dezember 1944 von den Pfeilkreuzlern abgeholt. Am Bahnhof Józsefváros wurden wir in Waggons verladen und nach Zurndorf gebracht. Dort übernahmen uns die Deutschen, zählten uns durch und ließen uns in Personenzüge umsteigen. So wurden wir nach Ravensbrück gebracht.
In Ravensbrück verbrachten wir anderthalb Monate. Wir mussten Sand schaufeln und lebten in Zelten. Es war eisig kalt und wir hatten keinerlei warme Kleidung, da uns alles abgenommen worden war. Das Essen war vergleichsweise ausreichend. Es gab keinerlei Möglichkeit zur Körperpflege, kein Wasser – wir wuschen uns morgens mit dem schwarzen Kaffee.
Nach sechs Wochen wurde ich mit einem Transport nach Penig gebracht. Das war ein Arbeitslager. Die Verpflegung war dort bereits schlechter. Ich arbeitete in einer Flugzeugfabrik und musste den ganzen Tag an der Maschine stehen. Zur Arbeitsstelle liefen wir täglich insgesamt 6 Kilometer – hin und zurück. Die Aufseher waren SS-Frauen und Männer, die uns ohne jeden erkennbaren Grund, einfach aus Lust und Laune heraus, schlugen.
Waschräume wurden erst in den letzten zwei Wochen eingerichtet, da waren wir aber schon alle verlaust. Viele wurden krank, Flecktyphus brach aus. In der Krankenstation wurden die Kranken von einer jüdischen Ärztin behandelt, sie wurden dort relativ gut versorgt.
Am 13. April floh das Lager vor den heranrückenden Amerikanern. Unterwegs blieb ich zurück und kam in ein kleines Dorf, wo ich von den Amerikanern befreit wurde. 

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Am 2. Dezember 1944 wurden wir von den Pfeilkreuzlern aus dem geschützten Haus in Pápa abgeholt und zum Klauzál-Platz gebracht. Dort wurden wir der Polizei übergeben, die uns in das Haus Teleki-Platz 10 brachte. Die Frauen wurden von den Männern getrennt und direkt zum Bahnhof Józsefváros getrieben. Wir waren 70 Personen in einem Waggon. Noch in Pest bekamen wir für den ganzen Waggon 3 Brote und eine Dose Vitamin-Konserve. In Győr hielten wir an, und unter Gendarmerieaufsicht konnten wir unsere Notdurft verrichten. Die nächste Station war Hegyeshalom. Dort bekamen wir Erbsensuppe. Man holte uns aus den Waggons, zählte uns durch, und wir stiegen wieder ein.
An der Grenze in Zurndorf wurden wir von den Deutschen übernommen, die uns in normale Personenwaggons umsteigen ließen. Jede Person erhielt ein Kilogramm Brot und 5 Dekagramm Margarine. Über Prag, Wien und Berlin gelangten wir nach Ravensbrück. Dort waren 2000 Frauen untergebracht. Wir lebten in großen Zelten, die voller Dreck und Schlamm waren – sogar die Toilette war im Zelt. Das Schrecklichste war, dass es kein Wasser gab. Innerhalb von 10 Tagen wurden 30 Frauen wahnsinnig. Wir konnten uns nicht einmal hinsetzen, sondern mussten den ganzen Tag stehen. Zu essen bekamen wir nur Abfall.
Nach 10 Tagen wurden die Zelte gereinigt und Betten aufgestellt. Dann begann eine Art Versorgung: morgens schwarzen Kaffee, mittags irgendein wässriges Gemüsegericht, abends Suppe – alles ungenießbar. Es gab keinerlei Möglichkeit zur Körperpflege, nicht einmal Trinkwasser. Ohne jeden Grund wurden wir von den Polizei-Frauen geschlagen. Die SS trieb uns zur Arbeit – es war typische Zwangsarbeit. Auf der einen Seite des Hügels rissen wir ab, auf der anderen bauten wir auf – und am nächsten Tag das Ganze umgekehrt. Wecken war um 3:30 Uhr. Selbst in der schlimmsten Kälte standen wir 3 bis 4 Stunden lang im Appell – in leichter Sommerkleidung.
Mitte Januar wurden wir erneut in Waggons verladen. Für die Reise bekamen wir 75 Dekagramm Brot und 10 Dekagramm Leberwurst. Wir reisten drei Tage lang in Waggons, in denen Eiszapfen hingen. Viele erkrankten an Erkältungen, Lungenentzündungen, Blasen- und Nierenentzündungen sowie besonders an Durchfall.
In Penig war der Empfang zunächst sehr ordentlich. Wir hofften, dass es uns dort vergleichsweise gut gehen würde. Die Suppe bekamen wir in einer Blechschüssel, und sogar Löffel wurden ausgegeben – das bedeutete für uns großes Glück. Jeden Tag mussten wir 8 km zwischen Lager und Arbeitsstelle zu Fuß zurücklegen. Obwohl wir völlig erschöpft waren, mussten wir auch hier zum Appell antreten. Wir bekamen Holzsohlenschuhe, die bei allen nach zwei Wochen kaputt waren. 
Es gab viele Fälle von Erfrierungen an den Füßen. Auf dem Weg zur Arbeit wurden wir geschlagen. Nach der ersten Woche wurde die Verpflegung katastrophal: mittags 2 Deziliter wässrige Rübensuppe. Die SS-Frauen und deutschen Meister trieben uns zur Arbeit unerbittlich an.
Am 13. April blieben 65 Schwerkranke und 5 halbwegs Arbeitsfähige – darunter wir – allein im Lager zurück, ohne jegliche Verpflegung. Es war geplant, uns alle zu erschießen. Doch der Oberscharführer weigerte sich und verschwand mit den anderen. Wir waren völlig auf uns allein gestellt. Wir fanden Kartoffelschalen, aus denen wir Suppe kochten. Bis zum Eintreffen der Amerikaner organisierten wir auf den Kartoffelfeldern etwas Essen.
Am 15. April wurden wir schließlich von amerikanischen Truppen befreit. Man brachte uns in ein Sanatorium nach Altenburg. Der Kommandant, Leutnant George Friedman, war so gut zu den 70 Frauen, dass wir ihn niemals vergessen werden. Tag und Nacht kämpfte er für uns, und seinem selbstlosen Einsatz verdanken wir es, dass die meisten von uns überlebten. 

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Wir gingen mit meiner Mutter in ein Haus des Schwedischen Roten Kreuzes, um den Gräueltaten der Pfeilkreuzler zu entkommen. Leider konnte man ihnen jedoch nicht entkommen. Sie kamen in das geschützte Haus hinein, suchten die Menschen nach Belieben aus und führten sie weg. Es gab solche wie mich, die nach Deutschland kamen, es gab solche, die ins Ghetto gebracht wurden, und es gab auch solche, von denen niemals wieder irgendeine Nachricht eintraf. Diese wurden nachts von den Pfeilkreuzlern an das Donauufer gebracht, erschossen und in die Donau gestoßen.
Mich und jene, die zusammen mit mir einer Gruppe zugeteilt wurden, brachten sie in die Ziegelei, und von dort am nächsten Tag zum Bahnhof Józsefváros. Wir fuhren zehn Tage lang in einem verschlossenen Waggon. Unterwegs gaben sie uns kein einziges Mal zu essen. Am meisten flehten wir um Wasser, weil wir noch etwas zu essen von zu Hause hatten. Die Bauern kamen, wenn der Zug irgendwo lange stand, heran und gaben gegen Geld jeweils ein Glas Wasser.
Wir kamen in Ravensbrück an. Das ist ein riesiges Lager; dort waren mindestens 3000 Menschen. Sobald wir ankamen, zog man uns aus, badete uns und nahm uns unsere Kleidung und all unsere Sachen weg, und man gab uns gestreifte Häftlingskleider. Das Lager war so überfüllt, dass wir acht Tage lang in der Baracke auf dem Boden lagen. Täglich um 4 Uhr wurden wir geweckt, und dann standen wir Appell. Die SS-Leute schlugen uns.
Die Verpflegung war folgende: morgens und abends ein halber Liter „Schwarzes“, mittags Steckrübensuppe und ein kleines Stück Brot. Ich hungerte dort sehr und war froh, als man mich in einen Transport einteilte und mich nach sechs Wochen nach Penig brachte. Nach dreitägiger Fahrt kamen wir in Penig an. Das war ein kleineres Arbeitslager. Ich arbeitete in einer Munitionsfabrik. Die Fabrik war 4 km vom Lager entfernt. Diese Strecke mussten wir jeden Tag zweimal zu Fuß zurücklegen. Wir arbeiteten täglich acht Stunden, stehend an den Maschinen. Die Aufseherinnen schlugen uns.
Unsere Nahrung bestand einmal am Tag aus einem halben Liter Rübensuppe und 12 dkg Brot. Ich war schon sehr schwach und krank. Als ich mich bei der Aufseherin meldete, dass ich krank sei, sagte sie – weil es zu wenig Arbeitskräfte gab –, ich sei nicht krank, und sie schlug mich mit ihrer Peitsche zusammen. Das tat sie mehrfach, auch mit anderen.
Durch die Wunden und den Vitaminmangel eiterten meine Verletzungen, und trotzdem musste ich mich hinlegen. Inzwischen rückte die Front näher, und das ganze Lager wurde geräumt. Nur 70 Bettlägerige ließ man dort, und es wurde der Befehl ausgegeben, uns mit dem Maschinengewehr zu erschießen. Die SS führte diesen Befehl jedoch nicht aus, sondern sie floh ebenfalls – und sie nahmen auch alle Lebensmittel mit, so dass wir drei Tage lang Blätter aßen. Als die Amerikaner hereinkamen, konnten wir vor Schwäche kaum noch gehen.

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